HDR – Faszination aus einer anderen Welt


Da ich mich mittlerweile schon seit einigen Jahren mit der Erstellung und Bearbeitung von HDR-Fotos befasse, möchte ich hier auch dieser modernen und vielseitigen Technik einen Beitrag widmen.

Wer kennt das nicht: man findet eine eindrückliche Szenerie, zückt die Kamera und möchte die Stimmung einfangen. Doch wenn man das Foto später am Bildschirm betrachtet, wirkt die Komposition „irgendwie“ nicht mehr so, wie man sie gesehen hat..

Dies liegt oftmals am reduzierten Kontrastumfang der Fotos. Denn anders als das menschliche Auge, welches sich blitzschnell mit der Iris als „eingebauter Blende“ den jeweiligen Lichtverhältnissen anpassen kann, muss sich die Kamera im Moment der Aufnahme für eine Blendenweite entscheiden, die möglichst für’s ganze Bild passt.

Somit kann es sein, dass der Himmel, obwohl man noch fein gezeichnete Wolkenschleier gesehen hat, weiss ausgefressen wirkt. Oder die Gegenstände, die im Schatten noch erkennbar waren, in ebendiesem völlig absaufen. Oder – leider nur allzuoft – beides..

Hier springt die HDR-Technik in die Bresche mit der man einfach drei Fotos zusammenfügt; für jeden Belichtungsteil eines. Dabei wird

  • • eine normal belichtete Aufnahme (Aufnahme oben) mit
  • • einer überbelichteten, auf der man neben viel Weiss auch die Details im Schatten erkennt und
  • • einer unterbelichteten, welche neben viel Schatten auch die Struktur des Himmels enthält, kombiniert.

Somit enthalten diese 3 Bilder zusammen einen erweiterten Kontrastumfang, was sich auch in der Bezeichnung HDR für high dynamic range wiederspiegelt.

 

Mittels einer speziellen Software wird anschliessend das Bild verarbeitet und der Dynamikumfang per Tonemapping schliesslich für normale Bildschirme (und Papier) sichtbar gemacht (sehr beliebt ist hier Photomatix oder auch das HDR-Plugin für Photoshop). Die wahre Kunst besteht jedoch darin, die richtige Balance der zahlreichen Schieberegler im Tonemapping für Effekte, Kontraste und Helligkeiten zu finden.

Natürlich ist diese Form der „Fotoentfremdung“ nicht bei allen beliebt; besonders bei Foto-Puristen, die ausser einer leichten Tonwertkorrektur sowieso nichts ihren Bilder angedeihen lassen. Zugegebenermassen kann man die HDR-Prozessierung, wie jede andere Technik oder Kunstform, tatsächlich auch übertreiben. Dies führt dann zu unrealistischen, bonbon-farbenen Comic-Bildern. Ob diese knallbunten Bildern dann noch dem Sinn und Zweck des dynamischen Kontrastumfangs entsprechen, sei mal dahingestellt.

 

Ich für meinen Teil denke, dass es wie so oft auch hier der Mittelweg ist, der ans Ziel führt. Indem man die Technik mit Fingerspitzengefühl und der nötigen Erfahrung einsetzt, entstehen genau diese eindrücklichen Bilder, bei denen der Betrachter vom Bild gefangen ist und sich fragt, wie man das bloss gemacht hat.

Hier noch zufällige Eindrücke meines HDR-Sets auf flickr, welchen man gerne auch weiterfolgen darf 😉

frisch-luft.ch - View my 'HDR' set on Flickriver

6.431 views //  Verfasst am 12. Dezember 2011 in Fotografie


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